Eibenberger Straße   Die Körner-Höhe
(Triangulationspunkt 451 m üNN)

Die Körnerhöhe (nach Theodor Körner) heute darzustellen ist gar nicht so einfach. Topografisch sicherlich noch möglich und weiter unten auch abgebildet, ist das ehemals architektonische, seinerzeit vom Erzgebirgsverein Geschaffene visuell heute kaum noch vorhanden.

So jedenfalls in meinem Archiv. Um das Jahr 1900 herum schuf der Erzgebirgszweigverein Einsiedel auf einer kleinen Felsnase einen befestigten Aussichtspunkt.
Es handelte sich um Bänke, welche in einem Kreis angeordnet waren und von einer Art “Riesenpilz” gekrönt waren. Dieses Dach schützte vor Regen und Schnee, ein Geländer um die Bänke herum vor dem Absturz.

Die beiden einzigen Bilder der Körnerhöhe mit der Bedachung sind nebenstehend abgebildet. Links eine Lithographie des Restaurants “Schützenhaus” in der Hauptstraße 120. Wie seinerzeit üblich, wurde auf den Karten auf Sehenswürdigkeiten in der Nähe verwiesen. “Unvermeidbar” damals die Talsperre, aber neben dieser finden wir auf der Postkarte hier den Aufstieg zur Körnerhöhe und diese selbst. Eigentlich befand und befindet sich damals wie heute links neben dem Schützenhaus das Gebäude Hauptstraße 122 (vormals Bäckerei Nötzel), welche aber auf der Lithografie einfach weggelassen wurde.
Der Aufstieg führte über Treppen nach oben. 1930 lesen wir im Jahresbericht des Erzgebirgsvereins: “Besondere Freude erregte die Mitteilung, dass sich Herr Gutsbesitzer Wilhelm Müller bereit erklärt hat, einen bequemeren Zugangsweg von der Hauptstraße aus nach der Körnerhöhe zu eröffnen, deren Ausbau und Bekrönung mit einem hölzernen Riesenpilz (wie vor Jahren schon) der Verein übernehmen wird.”
Ich schließe daraus, dass das auf der Lithographie sichtbare Dach nicht mehr vorhanden war und ein Neubau geplant war.
Später wurde ein Robert Leibfried Besitzer des Grundstückes, über den Pfad und Treppen verliefen und untersagte den Zugang.
Man erreichte die Körnerhöhe jetzt nur noch über die Eibenberger Straße. Das ist auch im Jahre 2014 noch möglich. Eine weitere Möglichkeit ist via Berbisdorfer Straße, hier bedarf es aber festeren Schuhwerkes, den wir verlassen feste Wege.

Auf dem nebenstehenden Foto ist das Gebäude Fabrikweg 4 dargestellt, aber auch hier erkennen wir die Bedachung noch recht gut am Horizont.
Ob das Objekt der ursprüngliche Riesenpilz oder der Ersatzneubau ist, ist unklar. Wir lesen in einer späteren Mitteilung des Erzgebirgsvereins: “Zu bedauern ist leider, daß die Körnerhöhe, für deren Ausbau und Erschließung der E.V. sein ganzes Vermögen geopfert hat, nicht mehr der Öffentlichkeit zugängig ist.”
(Lithographie: Klaus Gagstädter, viele vorstehende Daten: Ingobert Rost)

 

 

Theodor Körner

Hintergrundwissen Theodor Körner:

Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten,
vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott.
Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.

Carl Theodor Körner, Deutscher Dichter und Freiheitskämpfer
* 23. September 1791 in Dresden; † 26. August 1813 im Forst Rosenow bei Gadebusch in Mecklenburg.
Berühmt wurde er durch seine Dramen für das Wiener Burgtheater und besonders durch seine Lieder im Freiheitskampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft. Nachdem er als „Sänger und Held“ im Lützowschen Freikorps gefallen war, wurde er zur patriotischen Identifikationsfigur.
Sein Kampf gegen die französischen Okkupanten machte ihn für die nachfolgenden, so unterschiedlichen deutschen Gesellschaftsordnungen immer akzeptabel, auch wenn er in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr in Vergessenheit geriet.

Körnerhöhen wie hier beschrieben gab es freilich nicht nur in Einsiedel. Noch größer ist die Zahl von Gedenksteinen, und -Kreuzen und “Körner-Bäumen”, meist Eichen, die anlässlich bestimmter Jahrestage im Leben Körners gepflanzt wurden.

 

 

Der Zugang zur Körnerhöhe am 20. April 2008 (oben). Gehen wir erst einmal einige Schritte um die Reste herum, erkennen wir zu Zeitpunkt gerade noch so, dass hier einmal ein Aussichtspunkt gewesen ist (unten).

 

 

Links: Der Ausblick von der Körnerhöhe in Richtung Berbisdorfer Straße/Mittelort am 20. April 2008. Schemenhaft erkennen wir zwischen Bäumen und Sträuchern noch einige Häuser und Straßen. 14 Tage später, wenn die Vegetation ausgetrieben hat, wird es hier aussichtslos im wahrsten Sinne des Wortes.

Gut erkennbar zum Zeitpunkt noch Metallfragmente des früheren Geländers und dessen Stützen.

 

Auch noch möglich: Ausblicke Richtung Dittersdorf (unten links) und Eibenberger Straße mit Ziegenschweiz und Eibenberg (unten rechts).
Die Triebe im Vordergrund auf beiden Bildern lassen erahnen, wie es hier mit der Sicht in wenigen Jahren aussehen wird...

Und so kam es dann auch!
Unten links der Zugang zur Körnerhöhe am 24. August 2013, daneben nur noch mal zum Vergleich die Aufnahme vom 20. April 2008. Fünf Jahre und vier Monate liegen zwischen beiden Bildern!

ebs Körnerhöhe Einsiedel 031014 (2) 1

3. Oktober 2014

Die Körnerhöhe ist eigentlich nicht mehr erkennbar - eine Weitsicht - ein Rundumblick in die Ferne - unmöglich!

Nur mit Mühe erkennt man noch Reste menschlichen Einflusses an dieser Stelle. Durch Unterholz und Dickicht kriechend, sieht der heimatkundlich Unterrichtete noch einige aufgeschichtete Steine und rostige Metallelemente. Das Foto stellt die Situation völlig unzureichend dar, es fehlt die Möglichkeit, in ausreichendem Abstand zu fotografieren.
Auf dem Bild links erkennen wir den Zugang, er ist zum Zeitpunkt noch problemlos möglich.
Um aber überhaupt den ehemaligen Aussichtspunkt als solchen zu erkennen, rate ich den Interessierten zu einer Vor-Ort-Besichtigung.
An der Felsnase rechts vorbei, kann man die Körnerhöhe umrunden, Schuhwerk und Kleidung sollten angepasst sein!

 

 

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